In Nürnberg gibt es ca. 80 kleine Bäche und Gräben als Gewässer 3. Ordnung, d.h. die Stadt Nürnberg ist für den ökologischen Zustand der Fließgewässer verantwortlich.
Im Rahmen der "Nürnbergs Agenda 21" formierte sich im Bereich "ökologische Stadtplanung" die Projektgruppe "Die Stadt und ihre Bäche", bei der sie um die Mitarbeit und ideelle Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger wirbt. Am 14.02.2008 besiegelte Roland Zeh im Auftrag unserer Initiative mit seiner Unterschrift gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Ulrich Maly sowie Herrn Fuhrmann von den Bayrischen Staatsforsten die Bachpatenschaft des "Schwarzengraben" zwischen dem Ludwig-Donau-Mainkanal und der Autobahn A 73 im Süden von Nürnberg. Für den 17.03.2008 wurde ein Termin zur Ortsbegehung vereinbart.
Bei dieser trafen sich nun Roland Zeh, Herr Müller vom Tiefbauamt der Stadt Nürnberg, sowie Herr Zollet vom Forstbezirk Altenfurt als Vertreter des Grundstückseigentümers, den Bayrischen Staatsforsten und berieten etwas mehr als eine Stunde über den Ablauf und das Ausmaß der anstehenden Arbeiten. Erfreulich war das Ergebnis, dass uns unter Einhaltung gewisser Faktoren bezüglich Renaturierung freie Handlungsmöglichkeiten gewährt wurden. Als nützliiche Hilfe wurde uns ein in Schwabach ansässiger Biologe genannt.
Nachdem der Beginn mit einer groß angelegten Säuberungsaktion
des etwa 500 Meter langen Gewässerabschnitts noch vor Beginn der Wachstumsperiode stattfinden sollte, konnte Roland nichts ahnend des bevorstehenden Kälteeinbruchs 4 Mitstreiter finden, die ihm unter die Arme griffen. Trotz der Temperatur nahe dem Gefrierpunkt und zeitweiligen Schneeschauern wurde es den 5 Jungs nicht kalt, denn freundliche Mitmenschen haben 2 Wohnzimmersessel im Bach "versenkt", die sich im Laufe der Zeit mit Wasser vollgesogen und zum Teil im Schlick festgewachsen waren. Am Ende der 3-stündigen Aktion lagen ein Sofa, 2 Sessel, 1 Klappstuhl, ein verrostetes Fahrrad, Mauersteine und Säckeweise Flaschen, Tetrapacks, Spray- und Getränkedosen und sonstiger Zivilisationsmüll im Anhänger.
Im laufe des Jahres führten wir einige Kontrollgänge durch, bei denen immer wieder mehr oder weniger Müll - vor allem jedoch Flaschen und Tetrapacks - aus dem Bach und vom Uferbereich entfernt wurden. Am 15.07.2008 haben wir zudem mit einer kleinen Pflanzaktion versucht, schmucklose Uferbereiche mit Farnen auf zu werten.
Die nächste größere Aktion fand am 04.04.2009 statt. Nachdem wir vom Förster und von der Stadt Nürnberg grünes Licht bekamen, planten wir ein lebendes Brückengeländer. Am dem sonnigen Samstag trafen wir uns zu neunt und während ein Teil der Leute den Bach von 4 Müllsäcken voll von Müll u.a. einem Auspuff und einer Backröhre befreiten, bereiteten die anderen den Boden für die Pflanzaktion vor. Wenn die gepflanzten Weidenruten, die wir tags zuvor organisiert hatten, angewachsen und lange genug sind, werden sie verjüngt und zusammen geflochten. Das Brückengeländer dient derweil zum Schutz der Jungpflanzen.
Im Laufe des Jahres mussten wir leider feststellen, dass unsere Info-Tafel mutwillig zerstört wurde. Sie konnte jedoch mit einem relativ geringen Aufwand wieder repariert werden. Das Wachstum unseres Weidenzaunes lag weit hinter den Erwartungen zurück. Es wurde gemutmasst, ob vielleicht zu geringer Lichteinfall ursächlich für dieses verzögerte Wachstum sei. Dennoch haben wir beschlossen, vorerst abzuwarten und der Natur noch ein wenig Zeit zu geben
Am 17.04.2010 trafen sich die aktiven Mitglieder zur diesjährigen Säuberungsaktion, die für alle Beteiligten in zweierlei Hinsicht als etwas Besonderes anzusehen war. Zum einen war diesmal ein Kamerateam der Medienwerkstatt Franken e.V. dabei, die eine Dokumentation zum Thema "Idealisten" drehten. Hierfür wurde Roland Zeh über einen Zeitraum von mehreren Monaten bei seinen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Verein begleitet und gefilmt. Im Sommer 2010 wird die Sendung im "Franken-TV" ausgestrahlt. Die zweite Besonderheit war das Aufstellen einer "Bank des Nachdenkens". Die Idee hierfür Kam Roland bereits im Januar 2008, als er am Ende des idyllisch gelegenen Ludwig-Donau-Main-Kanals den faszinierenden Anblick genoss und dabei durch den stetigen Lärm der hinter ihm gelegenen Autobahn gestört wurde. Der Kontrast des vor ihm liegenden Kanals, der den Beginn der Industriealisierung und somit den wirtschaftlichen Aufschwung widerspiegelt, und der Autobahn verdeutlicht die Folgen der menschlichen Strebsamkeit der letzten 160 Jahre. 4,5 Milliarden Jahre benötigt die Natur den Planeten Erden für uns lebensfähig zu machen, seit etwa 15.000 Jahren darf der Homo Sapiens diesen glücklichen Umstand für sich nutzen. Doch die Technisierung, die Gier nach Energie und Wohlstand hat diesen Planeten an den Rand des Kollaps gebracht. Durch das Anbringen dieser Bank und einem Mahnstein "Zeit zum Nachdenken ???" soll auch andere Menschen angeregt werde, welche ökologische Folgen unser unendlicher Energiehunger und der Verbrauch an Ressourcen haben wird.
In diesem Zusammenhang bedanken wir uns recht herzlich bei den Sponsoren, die das Umsetzen dieses Projekts ermöglicht haben, ohne dass dafür das Vereinsvermögen angetastet werden musste:
Familie Bauer, Großenohe (Eichenbrett und -Stämme)
Fa. Dennert, Nürnberg/Schlüsselfeld (Betonfundamente und Beschläge)
Fa. Krug-Transporte, Scheinfeld (Transportdienstleistungen)
Fa. Stein- und Schotterwerke Geiger, Ittling (Mahnstein)
Fa. Be-Vo Objektbeschilderungen, Nürnberg (Mahntafel)
Fa. Hofmann-Gravuren, Weinzierlein (Gravuren)
Frau A. Y., Nürnberg (Spende für Kosten des Verzinken der Beschläge)
Wir werden hier über den weiteren Fortschritt berichten