Trotz der schlechten Nacht, stehen wir gegen halb sieben auf, hängen die Hängematten ab, sortieren sie in der Tonne und tragen sie hinab zum Boot. Ein letztes mal springen wir in das rabenschwarze Wasser und baden. "Cinco Café, por favor!" Bestellen Kaffee bei Tamaira, den sie schon gekocht hat und sie reicht ihn uns über die Bordwand ins Wasser. Bis zum Hals stehen oder sitzen wir auf den Steinen und unterhalten uns unter anderem über die beiden Snobs, die gerade in ihr Schnellboot steigen und davon fahren. Erst nach einer Stunde steigen wir aufgeweicht wieder aus dem Wasser. Ivan will zum Frühstück etwas Süßes und so geht er zusammen mit Mario und Bodo zu Fuß in die Stadt. Markus und ich helfen derweil Hilario beim Umladen der Spritfässer und fahren danach mit dem Boot hinauf zur Kontrollstation, an der wir uns mit den anderen wieder treffen. Zum Frühstück essen wir Lebkuchen und mit Marmelade gefüllte Brötchen.
Kurz nach neun brechen wir schließlich zu unserer letzten Etappe Richtung Norden auf.
Anderthalb Stunden später passieren wir die Felsen mit der Marienstatue und dem sogenannten Orinoco-Krokodil, einem Felsen, der einem aus dem Wasser schauendem Krokodil gleicht. Langsam beginnen wir mit dem Zusammenpacken und aussortieren unserer Sachen, mit dem wir gegen Mittag fertig sind. Obwohl Ivan gestern schon einmal alles verpackt hat, räumt er trotz alledem wieder alles um. Zum Mittagessen gibt es diesmal Gemüsesalat.
Die Gegend wird langsam hügeliger. Gegen halb drei fahren wir an dem Kolumbianischen
Dorf Puerto Nariño vorbei und eine weitere knappe dreiviertel Stunde später erreichen wir die Kontrollstation auf der Isla de Raton. Von hier haben wir einen ausgezeichneten Blick auf den Autana-Tepui und Mario erzählt uns, dass die Tour zum Tepui und den Flüssen darum auch sehr schön sei. Auf der Weiterfahrt fällt Tamaira beim Zusammenräumen der Kücheneinrichtung ein Topf über Bord. Einsam und allein schwimmt er auf dem großen, breiten Fluss, bevor wir umkehren und ihn wieder aus dem Wasser fischen. Die Besiedelung am Ufer wird immer dichter, ein Zeichen für den naheliegenden Hafen. Kurz vor halb fünf biegt Hilario dann schließlich vom Hauptstrom in
eine Bucht, in der der Hafen von Samariapo liegt. Die Flussfahrt ist zu Ende.
Etwas traurig entladen wir unser Zuhause der letzten 21 Tage und schlichten alles auf den bereitstehenden Transporter. Nachdem Hilario die erforderlichen Formalitäten beim Hafenmeister erledigte und wir noch eine Cola tranken, treten wir nun die weitere Rückfahrt auf der Ladefläche des V8 Pickup stehend an. An der ersten Kontrollstelle werden wir durchgewunken. Auf der holprigen, mit Löchern übersäten Strasse fahren wir Richtung Nordost und wieder spielt dabei die Natur ihre Kapriolen: mal Savanne, mal Dschungel, mal Berge mit grünen Wiesen und schwarzen Felsen. Mit dem Wetter ist es das gleiche. Sieht man nach da, sieht man blauen Himmel. Schaut man nach dort, ist es bewölkt. Dann nach da, dort regnet es und auf er anderen Seite scheint die Welt regelrecht unter zu gehen. Unser Pickup poltert weiter und wir durchfahren eine
Regenfront. Alles was nicht wasserdicht ist, wird während der Fahrt tiefer ins Wageninnere gestopft. Nach ein paar Kilometern ist alles wieder vorbei und die untergehende Sonne strahlt uns ins Gesicht. Irgend wann erreichen wir die Station der Guardia Nacional mit der verschärften Kontrolle, doch nur ein paar Worte wechseln zwischen dem Fahrer und dem Guardisten. "Laßt´s mal gut sein, es regnet gleich", übersetzt Mario und der Wagen setzt sich in Richtung Puerto Ayacucho in Bewegung. Vorbei geht es am Naturmonument "La Tortuga", dem Schildkrötenberg, über den Cataniapo (grüner Fluss) und an abgebrannten Feldern, die für die Jagd entzündet werden.
Nach 1 Stunde erreichen wir an der Stadtgrenze von Puerto Ayacucho die letzte von den drei Kontrollstellen. Auch diesmal werden wir durchgewunken. Vorbei an unserem Hotel fahren wir
erst einmal zum Lager von Alvaro. Viele helfende Hände besorgen das Entladen in nur 15 Minuten. Hier sehen wir zum ersten Mal Alvaro Carera. "Ihr seht ja aus wie Guerilleros", waren seine ersten Wort in gebrochenem Deutsch. Die Zweiten: " Wollt ihr einen Rum?". Inzwischen hat es heftig begonnen zu regnen. Alvaro wechselt mit Mario ein paar Worte und schließlich kommt Mario auf uns zu sagt uns, dass wir für den Verlängerungstag, wie vereinbart 75 US$ noch bezahlen müssen. Dafür erhalten wir noch für den Überbrückungstag bis zum Abflug den Jeep sowie Mario, der uns dorthin bringen soll, wohin wir auch möchten. Wir schlagen ein.
In der Zwischenzeit hat uns die Lebensgefährtin Alvaros unsere Flugtickets und unsere restlichen Sachen aus dem Büro in der Innenstadt geholt. Der Regen wird stärker. Alvaro lädt uns zum Essen ins "El Tranquero" ein, die Getränke gehen jedoch auf uns. Vermutlich wurde er von früheren Gruppen ausgenutzt, die nach einem so langen Aufenthalt in der Wildnis sich erst einmal in der Zivilisation die Kante gaben. Während dessen beschriftet Hilario unsere Venezolanische Bootsflagge mit den Worten:
lässt alle unterschreiben und überreicht sie ordentlich gefaltet an Ivan.
Nach ein paar Bechern Rum fahren wir ins Restaurant. Der Regen wird so heftig, dass dies in unseren heimatlichen Nachrichten eine Meldung als Unwetter wert gewesen wäre. Die Straßen sind teilweise bis zu den Gehwegen überflutet und auch im Restaurant tropft es durch das Dach, aber das macht ja nichts. Wieder werden kiloweise Churasco, Krautsalat und Maniok auf unseren Tisch gestellt und wie soll es auch anders sein, fällt mehrfach der Strom durch Blitzschlag aus. Einmal kann ich so einen Einschlag in einen Transformator auf der gegenüberliegenden Straßenseite beobachten, wie dieser zerbirst und in einem riesigen Funkenregen auf die Straße nieder fällt. Nach dem Essen im Schein von Mario´s Taschenlampe geht es wieder zurück ins Lager. Dort holen wir unser Gepäck ab und fahren, nachdem wir auch Hilario und Tamaira zu Hause abgesetzt haben, in unser Hotel "Kurimacare". Unterwegs kaufen wir noch eine Palette Dosenbier. Eigentlich wäre der Laden ja schon seit 21 Uhr geschlossen, wenn der Besitzer nicht ein Freund eines hohen politischen Funktionärs wäre. So kann man noch um 22 Uhr etwas durchs Fenster kaufen.
Mit Gehupe biegen wir in das weitläufige Gelände des Hotels ein und Mario organisiert nach unserer Ankunft noch die Zimmerschlüssel. Wir verabschieden uns kurz und verabreden uns für morgen früh. Dann setzen wir uns auf die Betontreppe vor dem Haus, lassen uns den Regen auf die Füße tropfen und trinken ein paar Dosen Bier. Wir unterhalten uns noch ein wenig über die zurückliegende Reise und legen uns kurz vor Mitternacht das erste Mal seit 21 Tagen wieder in ein richtiges Bett mit Matratze und Zudecke.