Die Anreise

04.12 bis 05.12.1997

 

Es war ein feucht kalter Tag, als wir uns gegen 17:00 Uhr am Flughafen Nürnberg trafen. Mich hatte damals mein Freund und Reisegefährte aus früheren Tagen mitsamt meiner Frau und meinem Sohn hin gefahren. Ivan wurde von seiner Frau begleitet und seine Mutter lies es sich nicht nehmen, ihren Sohn zum Abschied in den Arm zu nehmen. Bei meinem Sohn flossen die Tränen in Strömen, als wir Karibisches Meer am Strand von Maiquetia in die kleine ATR 42 der Alitalia Richtung Mailand einstiegen, dabei lagen nur 12 Tage Trennung vor uns. Langsam rollten wir zur Startbahn und konnten gleich starten. Mit laut brummenden Motoren hoben wir ab und schon bald war unsere Heimatstadt unter den Regenwolken nicht mehr zu sehen. Etwas mehr als eine Stunde Flug nach Mailand lag vor uns, dann umsteigen nach Rom. Es war der einzige Nachtflug, um von Deutschland nach Venezuela zu kommen. Dort ein letzter Anruf nach Hause und kurz nach Mitternacht hob die Boing B747 der Alitalia mit Ziel Caracas ab.

Es dauerte nicht lange, bis Ivan laut schnarchend in den Schlaf der Gerechten versank, während ich in Reihe 62 A durch das Fenster in den sternklaren Himmel blickte. Nur ab und zu blickte ich auf die Leinwand, auf der ein Spielfilm lief, aber mangels Italienischer Sprachkenntnisse verstand ich sowieso nichts. So träumte ich wieder vom Regenwald, dachte zurück an die kleine 4-jährige Givanilda, einem brasilianischen Indianer-Mädchen, an die Missionsschwester Heidi Anselm und die Mission am Amazonas in der Nähe von Belem/Para. Wir hatten die beiden 1990 in Rio de Janeiro getroffen, als wir alle während einer Währungsreform in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Nachdem damals die Flugtickets bereits bezahlt waren, lud uns Schwester Heidi in ihre Mission am Rio Para ein, und dort hatte ich den ersten richtigen Kontakt mit dem Regenwald.

1997hatte Ivan den Wunsch in den Regenwald zu Straße in Maiquetia fahren und nachdem er wußte, daß ich dies schon einmal erleben durfte, fragte er mich, ob ich ihn den gerne begleiten würde. Sofort stimmte ich zu und kontaktierte Herta, eine befreundete Reisverkaufsfrau. Eine solche Reise, wie wir uns es vorstellten, gab es natürlich nicht im normalen Katalog, jedoch gab sie mir eine Adresse von Tiuna-Tours in München (existiert nicht mehr), die uns eine Reise mit Cacao-Tours in Venezuela zusammen stellten. Zuerst eine 5-tägige Bootstour auf dem Rio Caura und anschließend Canaima mit einem Rundflug zum Salto Angel, dem mit über 1.000 m höchsten Wasserfall der Erde.

So saß ich nun da und freute mich, während hinter uns in 10.000 Metern Höhe die Sonne rotglühend aufging, auf die kommenden 12 Tage. Unter uns erschienen im hellblauen Caribischen Meer die Inseln Barbados, Tobago und Trinidat und wenig später auch die Isla Margarita. Nach etwa einer weiteren Stunde erkannte man die Venezolanische Küstenkorderlie und wir landeten in Makuto, dem Internationalen Flughafen der 35 km entfernten Hauptstadt Caracas. Es dauerte einige Zeit, bis sich alle Passagiere durch die einzige Türe vorne gezwängt hatten und durch die Gangway gegangen waren. Wie durch eine unsichtbare Wand verließen wir das klimatisierte Flugzeug und tauchten ein in den feucht-heissen Dampf der Tropen. Nachdem wir unsere Rucksäcke vom Gepäckband gezogen hatten, reihten wir uns in die Schlange der Wartenden an der Kontrolle, um uns von den Beamten den Stempel Aufgehende Sonne in 10.000 m für das Touristenvisum in den Reisepass drücken zu lassen. In der Ankunftshalle hielten wir Ausschau nach der Person die uns empfangen sollte. Es dauerte nicht lange, bis wir einen jungen Venezolaner mit einem gelben Schild sahen: Mr. Kovac Mr. Zeh. Während er uns zum Parkplatz begleitete, überreichte er uns noch ein Informationsblatt über den weiteren Reiseverlauf. Er organisierte ein Taxi und lies uns in ein Hotel ins östlich des Flughafen gelegene Maiquetia bringen. Am späten Nachmittag machten wir nur noch einen Spaziergang am Strand und in der näheren Umgebung. Auf dem Rückweg zum Hotel - inzwischen war es schon finster geworden - gerieten wir in eine Polizei-Kontrolle. Wie uns geraten wurde, hatten wir lediglich die Kopien unserer Reisedokumente bei uns, mit denen sich jedoch die Beamten nicht so recht zufrieden gaben. Mangels Sprachkenntnisse auf beiden Seiten, waren Diskussionsversuche vergeblich und nach einer freiwilligen Zahlung von 20 US-$ ohne Beleg konnten wir unseren Heimweg weiter antreten. Ach ja, wie korrupt ist die Welt. Inzwischen kommt es nicht mehr zu solchen Situationen, da die Guardia Nacional von obersten Regierungsstellen die Anweisung erhielt, Touristen in Frieden zu lassen. Nach einem ausgiebigen Churrasco-Essen in der Strandkneipe gegenüber des Hotels legten wir uns schon zeitig ins Bett. Die lange Anreise und der Jetleg machten uns doch sehr müde.