Rio Caura - Die Tour

08.12 bis 10.12.1997

 

Nach dem Frühstück, wir wieder in der Küche und der Rest auf der Terrasse, räumten wir wie abgemacht das Notwendigste in unser wasserdichtes Faß. Die erste Lage bestand aus 2 Paletten Dosenbier, danach folgten ein paar Klamotten, Moskitonetze und den Hängematten. Unser Tun blieb natürlich von den anderen nicht unbeobachtet und so blieben Kommentare wie `warmes Bier schmeckt Sonnenaufgang über dem Rio Caura doch Sch...´ nicht aus. Jeder trug sein Faß hinunter zu den beiden Booten, wo Jeff und 2 Indianische Bootsführer gerade die Außenborder montierten.

Nachdem alles verstaut und ausgerichtet war, ging die Reise auf dem Fluß Richtung Süden los. Wir saßen zusammen mit 4 Österreichern in einem Alu-Boot und kamen viel schneller voran, als die anderen in ihrem schweren Einbaum. Vorbei ging es an schwarzen Felsen, durch Stromschnellen und die Ufer des lehmig braunen Flusses wurden gesäumt vom Immergrün des Regenwaldes. Das Wetter war wechselhaft. Mal schien die Sonne, mal schüttete es wie aus Kübeln. Dann fuhr Eduard, so hieß unser junger Bootsführer, unter das uns schützende Dach aus Laub ans Ufer. Sofort zog Ivan seine Angel heraus und begann zu Fischen. Während dessen holten die anderem im zweiten Boot uns wieder auf und wir ließen ihnen einen Vorsprung. Dies wiederholte sich während der Fahrt ein paar mal. Schon bald aber begann die Stimmung am Boot zu kippen. Unsere vier Begleiter waren der Ansicht, wir hätten am Ziel noch genügend Zeit zu Angeln, sie würden lieber in einem Rutsch durch fahren, um sich später aus zu ruhen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, Sie haben nicht verstanden, daß wir ein Konvoi aus 2 Booten waren, die auf einander warteten und sich so sicherten. Die Durchfahrten der Stromschnellen Rio Caura: Indianerdorf waren nicht ungefährlich. Leicht hätte etwas passieren können und wären die anderen nicht gekommen, so wären wir wieder zurück gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Aber irgendwie wollten sie das nicht verstehen und schoben die Schuld für die Verzögerungen auf uns.

Am Nachmittag erreichten wir El Playon (der Strand). Dort hatte Cacao-Tours auf der riesigen Sandbank in der Nähe eines Indianerdorfes ein paar offene Hütten gebaut. Der Anblick auf die gigantischen Wasserfälle Salto Para war fantastisch. Wir entluden die Boote und hängten unsere Hängematten mit den Moskitonetzen sternförmig in die runden Pfahlbauten. Danach gingen Ivan und ich baden, das die anderen wieder einmal nicht verstanden, da wir doch selbst die Pirhanas beim Angeln aus dem Fluß zogen. Sie fanden unser Verhalten als unmöglich und leichtsinnig. Wir wiederum verstanden ihre Reaktion nicht, denn bei richtigem Verhalten, wird man von den Tieren auch in Ruhe gelassen. Nachdem abgesprochen wurde, daß für den heutigen Abend die deutsche Gruppe - also wir - für das Lagerfeuer zuständig sei, gingen Ivan und ich mit den Äxten los und suchten nach Feuerholz. Während dessen briet die Frau von Eduard, die uns als Köchin begleitete, unseren Fisch und noch Nudeln mit Tomatensoße. In Anbetracht der Tatsache, daß tagsüber so heftig über unsere Angelei gelästert wurde, waren wir erstaunt, daß nun jeder einmal von den Pirhanas probieren wollte. Aber El Playon am Salto Para auch am Tisch wurde deutlich, daß sich von den Österreichern wohl niemand so recht auf diesen Dschungel-Tripp vorbereitet hat. So wurde beanstandet, daß der Tee aus gefiltertem Flußwasser zubereitet wurde, daß es hier im Camp an Duschen fehle, usw. Wir nahmen es so, wie es kam und entzündeten nach Einbruch der Dunkelheit das Feuer. Es dauerte nicht lange, bis sich auch die anderen zu uns gesellten, und im Unterton war zu hören, wie gerne man doch nun ein Dosenbier trinken würde. Aber wir blieben standhaft.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück war eine Wanderung durch den Regenwald zum oberen Wasserfall und auf einen Berg angesagt. Auf einem schon ziemlich ausgetretenem Pfad ging es steil berg auf. Von Zeit zu Zeit hatte man einen herrlichen Ausblick auf die grandiosen Wasserfälle. Während unseres etwas 2 stündigen Fußmarsches kamen uns ein paar Indianer entgegen, die mit Gurten über der Stirn ihre Bootsmotoren bergab trugen. Von Jeff erfuhren wir, daß die flußaufwärts wohnenden Völker mit ihren Booten bis an den oberen Wasserfall fuhren, ihre Motoren abbauten, hinunter trugen und anschließend mit anderen Booten weiter flußabwärts in die nächste Stadt Salto Para Oberer Wasserfall fuhren. Ivan und ich waren ständig bestrebt, irgendwo irgendwelche Käfer, Spinnen oder Schlangen zu suchen und waren immer am Schluß der Truppe. Das wiederum mißfiel den anderen, die fortwährend aufs Weitermarschieren drängten. Also gaben wir nach. Als wir den oberen Wasserfall erreichten, war eine längere Rast angesagt. Statt zu pausieren, nahmen wir die Gunst der Stunde war und gingen auf die Suche nach interessantem Getier. Obwohl es strahlend blauer Himmel war, ging ständig ein leichter Nieselregen nieder. Hierbei handelte es sich aber nicht um ein Naturwunder, sondern vielmehr um den Wasserstaub, der von dem tosenden Wasserfall nach oben geschleudert wurde.

Nach eineinhalb Stunden Pause - ein paar der anderen Gruppe haben sich zum Abkühlen nun doch ins Wasser gewagt - setzen wir unsere Wanderung zum nahe gelegenen Berg fort. Während es im dichten Grün des Regenwaldes eher erfrischend kühl war, so brannte es auf dem Gipfel des schwarzen, kahlen Granitberges gnadenlos auf uns ein. Die Sonne von oben, die Strahlungswärme von unten. Dafür wurden wir mit einem fantastischen Blick auf den Regenwald belohnt. Von den Wasserfällen konnte man nichts sehen, jedoch sah man die Wolken aus feinem Wasserstaub aus dem Wald nach oben steigen. Es war einfach zu heiß, um sich hier oben länger auf zu halten und so machten wir uns schon bald auf Rio Caura: Blick vom Berg den Nachhauseweg.

Am Abend kam es, wie es kommen mußte. Die anderen waren zu erschöpft, noch irgend etwas zu bewegen. Keiner fühlte sich in der Lage - entgegen der Abmachung - Feuerholz zu schlagen. Und so machten wir uns wieder an die Arbeit. Der einzige, der sich von seiner Gruppe distanzierte, war Georg aus Graz. Er versuchte sich uns anzuschließen. Aber irgendwie hatten wir inzwischen die Nase voll und wir beschlossen, das nächste mal eine Reise nur für uns alleine zu organisieren. Alle waren schon in ihre Hängematten gekrochen, nur Ivan und ich saßen noch lange am Feuer und planten die nächste Tour.

Die Rückfahrt am nächsten Tag war wenig spektakulär, außer als Edgar beinahe einen Felsen im Fluß rammte und nur durch ein extremes Manöver einen Zusammenstoß verhinderte. Als die anderen dann meckerten, platze mir der Kragen. Dazu sollte man erwähnen, daß es zu diesem Zeitpunkt wie aus Kübeln goß. Alle hatten sich unter ihre Regencapes gekauert und Edgar war dem Wunsch nach gegangen, so schnell wie möglich heim zu fahren. Ungehindert prasselte der Regen in seine Augen. Auch in Las Trincheras wieder angekommen, kümmerten sich die anderen nur um ihre eigenen Sachen. Die Boote mußten gesichert, die Motoren aufgeräumt werden usw.

Ich möchte mich jetzt nicht hervor heben, aber auf diese Menschen kann der Regenwald verzichten. Das Verhalten war unmöglich, das Interesse gegenüber der Natur war nicht vorhanden. Wir waren froh, die Tour hinter uns gebracht zu haben. Am Abend saßen wir mit Jeff und den Bootsführern wieder zusammen in der Küche. Jeff hatte die gleiche Meinung wie wir, doch mußte er sich als Tour-Guide neutral verhalten. Ob die Erkrankung von Guido tatsächlich vorhanden war, oder er nur Erholung von den anderen suchte, konnten wir nicht klären. Der arme Tropf hatte die Gruppe schon in den Anden ertragen müssen und anschließend darf er sie noch zum Badeaufenthalt auf die Isla Margerite begleiten.