Die Vorbereitungen

06.11. bis 07.11.2004

 

In einer kleinen Bogeda am Straßenrand frühstücken wir wieder mit Fleisch, Fisch oder Käse gefüllte Empanadas, die auch schon am Morgen sehr gut schmecken. Später im Camp zeigt uns Mario seine Zierfischbecken mit Barschen und Welsen. Alvaro ruft uns zur Verteilung der Aufgaben. So muß Mario mit Hilario noch einmal zur Guardia Nacional und zur Indianerbehörde, da diese wohl wieder mit ihrer Macht spielen und die georderte Benzinmenge nicht genehmigen wollen und außerdem Hilarios Papiere abgelaufen seien. Crapi soll mit uns die restlichen Sachen für unsere Expedition besorgen. Conoco bei Paria Auf dieser wollen wir vor allem die unterschiedlichen Indianervölker über ihr Leben, ihr Denken und ihre Zukunft befragen, um in späteren Projekten gezielt helfen zu können. So fahren wir also in die Stadt und halten bei einem Geschäft, in dem man so von der Stricknadel bis zum Spaten alles bekommen kann. Wir kaufen Macheten, Feilen, diverse Angelhaken und -schnüre, sowie Blei. Akribisch genau wird alles mit der Hand auf die Rechnung geschrieben. So dauert es einige Zeit bis wir wieder das Geschäft verlassen und wir einmal durch den entlang der Hauptstrasse liegenden Markt gehen können. Aus jedem Laden dröhnt lateinamerikanische Musik. Es werden auf Matten am Boden hiesige Früchte, Maniok, Gewürze usw. angeboten. In Schubkarren liegt der Fisch, der nachts gefangen wurde und auch das Fleisch wird ungekühlt auf Tischen liegend angeboten. Weit nach Mittag holen wir Mario ab, um zum Essen zu fahren. Wir sitzen gerade vor einem Fleischbatzen, als sich zunehmend der Himmel verdunkelt. Schon prasselt sintflutartig der Regen auf das Wellblechdach und überschwemmt die ganze Stadt. Am Nachmittag treffen wir uns dann wieder im Camp. Nach kurzer Lagebesprechung bei einer Tasse Kaffee muß Mario mit Hilario wieder irgendwo hin, da angeblich diesmal mit der Registrierung des Bootes etwas nicht stimmt. Ach die lieben Behörden. Sie sind auch dafür verantwortlich, daß uns diesmal Mario nicht auf der Tour begleiten darf. Seit Februar sind wohl seine Papiere abgelaufen und er ist wohl auch schon 2 mal zum Abholen nach Caracas beordert worden. Doch kaum dort: "Oh! Da müssen wir noch was prüfen." Und deshalb hat er Crapi aus Caracas gerufen, um uns zu begleiten.

 

Indianerfrau bei der Herstellung von Souvenieren Wir erhalten den Auftrag nach Paria zu fahren und dem Comisario Alfonso auszurichten, daß wir uns morgen mit ihm und dem Promodor Social der Fundacomun Juan Carlos Arollo in Bezug auf das von uns finanzierte Piaroa-Museum treffen wollen. In seinem Haus erfahren wir, daß er noch draußen in seinem Conuco etwa 3 km entfernt arbeitet. Also fahren wir zurück. Alfonso scheint etwas über die zügige Entwicklung überrascht zu sein. Crapi erklärt ihm noch einmal die Fakten und daraufhin will er am nächsten Tag noch einmal den Gemeinderat zusammen rufen. Ein Treffen für den nächsten Tag 17:00 Uhr wird ausgemacht und wir fahren zurück nach Pto. Ayacucho, holen Mario ab und gehen in eine Churrascerria ein paar Kilo Fleisch essen. Danach sind wir noch auf den 15. Geburtstag der Schwester von Marios Freundin eingeladen. Dieser wird in Venezuela groß gefeiert, da die Mädchen dann den "Frauen-Status" erhalten. Gegen Mitternacht verlassen wir das Fest, auf dem noch zig Jugendliche bei dröhnender Musik im Haus rappen.

 

07.11.2004

 

Am heutigen Sonntag dürfen wir ausschlafen, doch schon kurz nach Sonnenaufgang gehe ich nach dem Duschen ins Foyer des Hotels um mein Tagebuch zu schreiben. Etwas vor neun kommt auch dann Kinder am Cano verde Crapi und wir fahren zum Camp. Dort sind zwar noch einige kleinere Erledigungen zu machen, aber wir sollen uns derweilen mit Crapi die Gegend etwas zeigen lassen. So fahren wir erst zum Frühstück noch einmal in diese Bodega. Crapi hatte dem Besitzer erzählt, wir würden so alles essen und so wollte er versuchen Schlangenfleisch aufzutreiben, was ihm jedoch nicht gelungen ist. So geben wir uns eben mit Tapirfleisch zufrieden. Danach lassen wir uns auf dem Indianermarkt von Crapi bei den bunten Ständen zeigen, was traditionell und handgemacht ist und was industriell hergestellter Touristenkitsch ist.

Crapi möchte uns zeigen, wo manche Sachen hergestellt werden und fährt mit uns deshalb aus der Stadt Richtung Samariapo. Vor der Brücke über den Cano Verde zweigt die Straße nach links in östlicher Richtung ab und wir folgen ihr bis ins etwa 30 km entfernte Gavilan. An der Straße haben sich fünf verschiedene Stämme (Piaroa-, Curipaco-, Piapoco-, Jivi- und Guajibo-Indianer) angesiedelt. Eigentlich sind es nur 4, denn zu den Jivi und Guajibo gibt es eine kleine Geschichte zu erzählen:

Vor vielen Jahren zu Zeiten der Missionierung kamen Gruppen der Guajibos über den Orinoko nach Venezuela. Doch niemand wollte sie so recht leiden und sie wurden ausgegrenzt. Da kamen findige Missionare auf die Idee, die Guajibo einfach um zutaufen und erfanden den Namen Jivi und siehe da, es hat funktioniert.

In den meisten Dörfern war niemand zu sehen, da auch hier der Sonntag ein von Missionaren eingeführter Ruhetag ist. Nur in La Reforma (!!!) trafen wir eine Frau an, die aus Ton Indianerhäuser formte. In Galvilan endet die Straße und geht in einen Fußweg über. Dieser führte in früheren Zeiten in 3 Tagen zu Fuß nach San Juan de Manapiare, doch inzwischen ist er zu gewachsen. Wir kehren hier aber um, da wir noch essen gehen wollen und später ja noch den Termin in Paria haben.

Nach dem Essen treffen wir uns mit Mario, holen Juan Carlos ab und fahren hinaus Verhandlungen zur Bildung einer Cooperativa in Paria nach Paria. Wir sind pünktlich, doch der junge Mann, der uns öffnet, berichtet uns, daß Alfonso bei einem Fußballspiel in Pto. Ayacucho sei. Auch der Capitan ist zunächst nicht aufzufinden. Ziemlich enttäuscht spazieren wir hinunter an den Fluß. Mario erzählt mir, daß er schon so oft in der gleichen Situation gewesen sei. Er wird schauen, was er machen kann, während wir auf dem Ventuari unterwegs sind. Doch als wir zum Auto zurück kehren, sitzt der Capitan mit Unterlagen zur Gründung einer Cooperativa auf dem Gehweg gegenüber. In einem langen Gespräch erklärt Mario den immer mehr werdenden Menschen die Vorteile und Hintergründe für so ein Projekt. Schließlich stellen sich die Probleme des Dorfes dar. Die Einwohner sind mit den Vorgaben einverstanden, jedoch ist von Mario angegebene Frist - der Tag nach unserer Rückkehr vom Ventuari - zu kurz, da die Piaroa an den Einfluß des Mondes beim Schlagen von Holz glauben. Die besten Voraussetzungen seien erst in 2 Monaten gegeben. Damit aber die von uns versprochene finanzielle Unterstützung nicht verloren geht, wollten sie in der Zwischenzeit eine fast fertiggestellte Churuata mieten, doch der Besitzer verlange sage und schreibe 600 Euro Miete. Mario handelt folgende Vereinbarung aus:

1. Am Sonntag 14.11. wiederholtes Treffen mit ihm, Alfonso und Juan Carlos von der Fundacomun zur Bildung einer Cooperativa

2. Bis 27.11. müssen alle mögliche Vorbereitungen getroffen sein, die einen Bau einer zukünftigen Churuata erkennen lassen

3. Das von uns gestiftete Geld wird bei einer von uns gewählten Vertrauensperson hinterlegt.

4. Von dem Geld werden alle Nebenkosten getragen, die für das Betreiben einer original getreuen Churuata als Museum wie z.B. Lichtanlagen, Werbung usw. benötigt werden

5. Nach der Fertigstellung wird ein dringend benötigtes Funkgerät oder Außenbordmotor gekauft und übergeben