San Fernando de Atabapo

08.11. bis 09.11.2004

 

Am Morgen treffen wir uns alle im Campamento AmazoniA um die Ausrüstung zu verladen. Dabei kommt es zu einer erheblichen Verzögerung, da gerade eines der untersten Benzinfässer Leckgeschlagen ist. Das bedeutet: ausräumen, umfüllen einräumen. Dadurch kommen wir diesmal erst um 10:00 Uhr weg. Wie üblich ziehen sich die Kontrollen der Guardia Nacional in die Länge. Personalien werden ebenso von Hand in Listen eingetragen wie die Registriernummern des Gewehres und des Außenbordmotors. Die genehmigte Benzinmenge wird natürlich auch kontrolliert.

Verladen von 1.600 Litern Sprit In Samariapo angekommen gilt es zuerst den gecharterten LKW zu entladen, der durch die Probleme mit dem Benzinfaß erheblich unter Zeitdruck steht. Danach läßt sich Hilario mit einem Boot zu unserem Bongo am anderen Ufer des Naturhafens fahren. Schon gleich nach seiner Rückkehr müssen die 1.600 Liter Sprit, Gasflaschen, Kücheneinrichtung, Trinkwasserfässer und, und, und eingeräumt und die Lasten wegen der Schieflage ausgeglichen werden. Erst weit nach 13:00 Uhr können wir nach einer letzten kalten Cola ablegen. Ich kann meine Enttäuschung, daß Mario nicht mitfahren kann nicht verbergen. Ich fürchte, daß die Sprachbarrieren zwischen mir und Crapi die erhofften Informationen über das Leben und Sein der Indianer verloren gehen. In meinem Schulenglisch sind Begriffe die bei Expeditionen im Regenwald benötigt werden, eben nicht enthalten gewesen. Mich ärgert auch, daß ich die Zeit seit meiner letzten Reise nicht genutzt habe, um wenigstens ein paar Grundbegriffe der Spanischen Sprache zu erlernen.

Für uns gilt es vor allem jetzt Kilometer zu machen. Der Orinoko ist zu breit und Badespaß im Orinoko am Beginn der Trockenzeit noch zu voll um seinen aufregenden Charakter zu zeigen. Unser eigentliches Interesse beginnt auch erst im Delta von Santa Barbara, dort wo sich im Gewirr von 300 Inseln die Wasser von Orinoko und Ventuari mischen. Die Kontrolle an der Isla Raton verläuft zügig und ohne Probleme und die Weiterfahrt kann schnell wieder aufgenommen werden. Hilario entdeckt an der Uferböschung einen Plastikgartenstuhl ohne Beine, den er sich kurzerhand holt und an seinen Platz nagelt. So fahren wir bis zum Einbruch der Dunkelheit und finden auf einer kleinen Halbinsel mit einer hohen Sandbank einen geeigneten Ort für unser Nachtlager. Diesmal haben wir ein Kuppelzelt dabei und sind bereits binnen 5 Minuten fertig. Während Crapi das Abendessen zubereitet, fängt Hilario bereits im Schein der Stirnlampe 4 Fische. Bodo und ich sehen uns auf der Insel etwas um. Wir beobachten, wie sich mit fortschreitender Zeit mehr und mehr Leben aus dem kälter werdenden Sand gräbt. Bis wir nach dem Essen und einem Gläschen Rum auf dem Boot wieder zurück zum Zelt gehen, ist praktisch der gesamte Sandberg in Bewegung. Wir beobachten noch einige Zeit das Treiben der Krabbel- und Hüpftiere.

 

Marienstatue im Orinoko 09.11.2004

 

Auch in der Nacht versuchen sich welche unter unserem Zeltboden zu befreien und am nächsten Morgen sind die Auswirkungen der Massenbewegung erkennbar. Die ganze Sandbank wurde nahezu umgegraben und all die fleißigen Helfer haben sich wieder zum Schutz vor der heißen Sonne vergraben

 

Nach einem kurzen Bad im Orinoko setzen wir die Fahrt Richtung Süden fort. Das Frühstück nehmen wir am Boot ein, während wir an den Orten San Pedro vorbei fahren. Es ist unvorstellbar, wie breit ein Fluß knapp 1.000 km von seiner Mündung entfernt schon so breit sein kann. Das Ufer ist einfach zu weit weg um genauere Einzelheiten erkennen zu können und so geht es zügig weiter. Ein paar Kilometer vor San Fernando de Atabapo Erreichen wir den Felsen mit der goldenen Marienstatue. Diesmal besteigen wir den Felsen und genießen den Ausblick auf den großen Fluß. Bald zweigt der Fluß Richtung Osten ab, doch wir müssen noch nach San Anlegestelle in San Fernando de Atabapo Fernando, um die nötigen Stempel für die Weiterfahrt zu holen. Es ist immer wieder ein fantastisch zu beobachtendes Naturschauspiel, wenn sich klares Schwarzwasser mit dem sedimentreichen vermischen. Hier ist es der Atabapo, der sich mit dem Guaviare aus Kolumbien vereint. Noch während ich ins Wasser schaue, vernehme ich ein Pfeifen vom Ufer, wo ein venezolanisches Infantrieregiment stationiert ist. In San Fernando gibt es seit Tagen keinen Sprit mehr und um den illegalen Handel vorzubeugen, muß alles wieder genau geprüft werden. Danach kommt noch der reguläre Kontrollpunkt am Hafen. Wir müssen auch noch ein paar Besorgungen in der letzten größeren Ansiedlung vor Manaus machen, da mir ein Splint an der Angel gebrochen und ein Topf über Bord gegangen ist. Eine Weiterfahrt lohnt sich deshalb heute nicht mehr denn es ist nur noch eine dreiviertel Stunde hell. Wir fragen deshalb wieder bei Alvaros ehemaligen Geschäftspartner nach, ob wir wieder seine Veranda benützen können. Uns gibt es Zeit ausgiebig im colabraunen klaren Atabapo zu baden. Ich kann einen hohen Segelflosser beobachten, wie er mir an den Haaren der Beine zupft. Auch das Farbenspiel des Sonnenuntergangs über Kolumbien am anderen Ufer verleitet zum Träumen. Ich fühle mich wohl.