Die Piaroa-Indianer von Cano Piedra

14.11. bis 16.11.2004

 

Wir fahren den Yureba wieder hinab und als wir wieder in den Ventuari Lager am Ventuari flußaufwärts abbiegen, bewahrheiten sich unsere Befürchtungen. Schon beim Angeln in einer Flußschlinge des Yureba haben wir das Grollen eines Gewitters wahrgenommen. Und jetzt breitet sich vor uns von Horizont zu Horizont ein tiefschwarzer Himmel aus. Wir bringen unsere Sachen in Sicherheit und schon kurze Zeit später gießt es wie aus Kübeln und einsetzender Sturm veranlaßt Hilario das Bongo zur Sicherheit am Ufer fest zu machen und auf das Ende des Gewitters zu warten. Doch es regnet und regnet. An eine Weiterfahrt ist heute, kurz vor der Abenddämmerung nicht zu denken. Der Platz erweist sich auch ideal als Nachtlager, da er zwar steil, aber frei von Gebüsch ist. Wir hängen unsere Hängematten an die Bäume. Meine ist nicht einmal 1 Meter vom Ufer entfernt und so kann ich die Barsche beim Jagen beobachten. Unser bislang schönstes Lager.

15.11.2004

Der Nebel hängt noch über dem Fluß und in den Bäumen, als wir am Morgen erwachen. Die Kinder von Cano Piedra Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und es ist im Vergleich zu den anderen Tagen sogar etwas frisch. Wir fahren weiter, bis wir am Ufer eine größere Gemeinde sehen, die in keiner Karte verzeichnet ist. Es ist Marueta, die mit mehr als 400 Einwohnern größte Gemeinde der Maco-Indianer. Schon beim Anlegen habe ich das Gefühl, unser Besuch sei unerwünscht. So lassen wir es beim Kauf von Bananen. Noch am Vormittag erreichen wir die Mündung des Rio Paru. In 2 Tagen wäre von hier das Gebiet der Hoti-Indianer zu erreichen, jedoch würde das unseren Zeitplan völlig durcheinander bringen. Gegen Mittag können wir nach der Gemeinde Maco den Tete de la Moriche von einer Sandbank aus in seiner vollen Schönheit sehen. Mehr als 500 Meter, teils mit senkrechten Felswänden ragt dieser Berg aus der ebenen Landschaft. Weiter geht es vorbei an Manakanilla, bis wir zu einer Sandbank am Ufer einer Insel kommen, auf der wir unser Nachtlager errichten

16.11.2004

Im Schulhaus von Cano Piedra Das Gewitter, das mich heute Nacht weckte, hat uns offensichtlich verschont. Für den Vormittag ist erst einmal groß Reinemachen angesagt. Durch diverse Anlegemanöver ist das Boot inzwischen übersät mit Blättern, Ästen, Sand und so allerhand Krabbeltiere. Während Hilario das völlig ausgeräumte Boot spült und kehrt, nehmen wir uns die Zeit unsere Wäsche zu waschen. Am späten Vormittag können wir die Fahrt in einem "neuen" Bongo fortsetzen und biegen schon bald in einen kleineren Fluß namens Marieta und wieder etwas später in einen noch kleineren. Er ist in meiner Karte nicht eingezeichnet, doch sagte man uns, daß sich weiter oben Piaroa angesiedelt hätten und am Ende ein Wasserfall sei. Hier hat auch alles den gleichen Namen: der Fluß, die Gemeinde und der Wasserfall heißen alle Cano Piedra, Communidat Piedra und Salto Piedra. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir die Gemeinde der Piaroa-Indianer. Auch hier ist der Capitan nicht anwesend und wir halten im Schulhaus unser Interview mit dem Lehrer ab. Auch sie sind Selbstversorger, können jedoch in San Juan de Manapiare nur wenig verkaufen, da dort viele andere Gemeinden ihre landwirtschaftlichen Produkte verkaufen wollen. Ihre Früchte bauen sie auf verschiedene Conucos an, wobei jeweils nur eines genutzt wird und derweil die anderen ruhen. Weitere Einnahmequellen haben sie keine. Die 80 Einwohner leben in 10 Familien, wobei sich inzwischen die Paare durch Verlieben binden. Noch bis vor wenigen Generationen entschied der Vater der Braut anhand der Fähigkeiten des Bräutigams, wer für seine Tochter geeignet ist. So etwa ab dem 12. Lebensjahr gebären die Mädchen ihr erstes der durchschnittlich 6 Kinder und sollte im Laufe der Zeit eine Beziehung zu Bruch gehen, so trennen sich die Paare und gehen dann innerhalb der Gemeinde ihre eigenen Wege. Traditionen gibt es auch in dieser Gemeinde keine mehr. Es gibt weder Gesänge, jegliche Art der Musik noch Tänze, lediglich der Schamane, den ich später dann auch begrüßen darf, hat noch einen Ritus. Dabei stattet er Erkrankten einen Besuch in ihren Churuatas ab, singt und tanzt um das Krankenbett. Anschließend legt sich der Schamane zuhause singend in seine Hängematte um Kraft zu schöpfen. Diese gewonnene Kraft wird übertragen, indem er den Kranken mit Wasser besprüht. Malaria jedoch kann der Schamane nicht behandeln. Dazu wird mit dem solarbetriebenen Funkgerät das Malaria-Team gerufen. Für weitere Krankheiten und Unfälle muß der Patient entweder nach San Juan oder gar nach Pto. Ayacucho gebracht werden. Trauer empfinden die Piaroa keine. Sie finden es zwar schade, jedoch sehen sie den Tod als Salto Piedra einen Teil im Kreislauf des Lebens. Für ihre Kinder wünschen sie sich eine bessere Schulausbildung und auch sie wollen eine Cooperativa gründen, um den Fortschritt im Dorf etwas voran zu treiben. Genaueres ist jedoch nicht geplant.

Wieder überreichen wir als Dank für das Gespräch unsere Macheten, Feilen, Angelhaken und Schnüre und setzen unsere Fahrt flußaufwärts fort. In zum Teil abenteuerlichen Manövern steuert Hilario unseren großen Einbaum durch das Labyrinth von Steinen des im schmaler werdenden Flusses. Hinter jeder Biegung ein immer neuer Ausblick auf die Berge oder den Fluß im neuen Licht. Die Weiterfahrt wird durch den laut rauschenden Wasserfall gestoppt. In mehreren Kaskaden stürzen sich die Wasser schäumend durch die Felsen. Die Szenerie lädt zum Verweilen und wir beschließen hier zu übernachten. Ein ausgiebiges Bad, Angeln und gemütlich unsere Hängematten in den Bäumen verzurren. Wieder bleiben unsere Angelhaken leer und wir tauschen bei 2 Indios, die hier ihre Fänge durch Räuchern haltbar machen, 2 Fische gegen ein paar Haken und ein Stück Angelschnur.