Nach 3 Stunden verlassen wir das Dorf und fahren 1 ˝ Stunden bis Puerto Nuevo weiter. Es ist auch eine Ye´kwana-Gemeinde, jedoch nimmt kaum einer Notiz von uns. Die wenigen Leute, die wir sehen, betrachten uns zwar kurz, gehen aber gleich in ihr Haus oder widmen sich weiter ihrer begonnenen Tätigkeit. Mit einem Bewohner kommt Crapi ins Gespräch, wobei er nur uninteressiert einige Wörter über die Lippen bringt. Er zeigt uns auf unser Drängen hin das Gemeindehaus in Form einer riesigen Churuata und führt uns anschließend in eine Art Kaufhaus, wo er uns ein paar Körbe und Flöten zum Kauf anbietet. Wir vertrösten ihn auf den nächsten Tag und fahren ein kurzes Stück weiter in das auf der anderen Flußseite liegende Tencua.
Auch hier ist die Freude über unsere Ankunft nicht berauschend. Wir werden beobachtet,
aber niemand kommt zu uns. Wir gehen zur Krankenstation, vor der gerade einige Leute auf die vom Malaria-Team aus San Juan durchgeführte Reihenimpfung gegen Hepatitis und Malaria-Kontrollen warten. Irgendwie geben sie uns das Gefühl zu stören. Von Mario haben wir schon in Pto. Ayacucho die Information bekommen, die Ye´kwana seien komische Leute. Aber sie zeigen uns wenigsten den Weg zur Missionsstation am Ende eine Landepiste. Dort treffen wir auf die Missionsschwester Paula und ihre Kollegin und einer Praktikantin, die uns von ihren Problemen und ihrer Arbeit berichten. In der Schule unterrichten sie die Handarbeit und helfen den Mädchen beim Nähen ihrer Kleidung. Für die Jungs organisieren sie so eine Art Werkunterricht, damit sie die traditionellen Arbeiten nicht verlernen. Zusätzlich versuchen sie noch Medikamente für ihr Krankenhaus zuorganisieren. Ein fließender Übergang zu den Problemen. Hier fehlt es praktisch an allem: Medikamente, Desinfektionsmittel und häufig auch ein Arzt. Es gibt im gesamten Gebiet zwischen San Juan und dem oberen Ventuari nur einen Arzt, der jedoch meist wegen Spritmangel irgendwo stecken bleibt. Die Regierung hat für San Juan zwar ein Ambulanzboot bereit gestellt, wohl weislich aber ohne Motor, der eh bald gestohlen wird, wie in San Fernando. Hauptproblem ist der Sprit. Die Guardia Nacional überwacht die Vergabe in den Tanklagern und wie es so ist, bleibt für arme und entfernt gelegene Kommunen nichts mehr übrig. Und so haben sie dann auch keine Möglichkeit, ihre Kranken zu einem Arzt
zu bringen. Die von der Regierung propagierte kostenfreie Krankenversorgung scheitert hier am Transport. Ein Ausfliegen mit dem Flugzeug wird nicht bezahlt. Wir müssen das Gespräch abbrechen, da die Dunkelheit hereinbricht und wir für heute Nacht noch kein Nachtlager haben. Wir finden es am Fuße des Salto Tencua.
19.11.2004
Um 8:00 Uhr sind wir für ein Interview und einer anschließenden Wanderung verabredet, treffen uns mit Louis und gehen zur Schule. Dort diskutiert er lange mit dem Lehrer. So richtig Lust hat keiner, weder auf das Interview, noch auf die Wanderung, die aber bezahlt wird. So werden wir schließlich doch von Louis, der demonstrativ gelangweilt an einem Holzamulett schnitzt, durch den Dschungel zum Oberlauf des Salto Tencua gebracht. Zumindest wir sind von der tollen Aussicht begeistert und klettern von Fels zu Fels, um jeweils den schöneren Ausblick zu suchen. Gegen Mittag
kehren wir zurück. Louis schickt einen seiner Kinder um nach einem Interviewpartner zu suchen. Nach 20 Minuten kommt er zurück und sagt so etwas wie: "Keiner da!"
Für uns ist hier in Tencua das Ziel unserer Reise erreicht. Wir konnten mit den unterschiedlichsten Indianer-Ethnien reden. Der Besuch bei den Hoti-Indianern am Oberlauf des Rio Paru bleibt uns auf Grund des rationierten Benzinkontingents verwehrt. Wir stimmen dem Vorschlag Crapi´s zu, an den Atabapo zurück zu kehren, um dort einen Vergleichsbesuch bei einer weiteren Indianergruppe zu absolvieren. Wir können auch leichter unsere Rückkehr und den Benzinvorrat planen. Jetzt geht es erst einmal wieder flußabwärts.