Hintergründe

 

Entwaldung Borneos Borneo - weltweit die dritt größte Insel.
Borneo - weltweit mit der größten Artenvielfalt, mehr als auf dem gesamten Afrikanischen Kontinent.
Borneo - weltweit mit der größten Entwaldungsrate.
Borneo - weltweit mit den restlichen indonesischen Inseln dritt größter Emittent von klimaschädlichen Gasen.

Dies sind Gründe, die uns diesmal dazu bewegt haben, eine Reise in den tropischen Regenwald, oder was noch davon übrig geblieben ist, zu unternehmen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass wir schon einmal versucht hatten, auf die Insel zu gelangen. Das war 1989. "Unmöglich, touristisch noch völlig unerschlossen, keinerlei Infrastruktur, dichtester Dschungel, Totenkopfindianer", diese und noch mehr waren damals die Gründe des Abratens. Gut, das war vor 20 Jahren. Auch anderswo wird sich in dieser Zeit so manches geändert haben, jedoch nicht so, wie in Borneo. Seit Jahren beschäftige ich mich nun schon rund um das Thema Regenwald. Die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Regenwaldvernichtung und dem Ausmaß, an dem wir - die Industriestaaten - daran beteiligt sind.

Der Klimawandel findet zur Zeit statt und der Mensch ist schuld. Das steht wohl fest. Ich möchte den Widersachern dieser Theorie nicht ganz entgegen treten, die der Meinung sind, dass nicht der Mensch alleine die Schuld am Klimawandel trägt. Nein - Ich bin der Meinung, dass der Mensch seit der Industrialisierung mit seinem Drang nach Energie und Mobilität einen Stein ins Rollen gebracht hat, der gerade ein gewaltige Lawine auslöst. Und es liegt an uns, die wir versuchen müssen, so viel Steine wie möglich wieder zu festigen, dass diese Lawine nicht unsere Nachkommen überrollen wird. Und zusammen mit der Zunahme der Weltbevölkerung sind wir gerade dabei, die Kontrolle über diese Katastrophe zu verlieren.

Hektisch und unausgereift werden Gesetze über erneuerbare Energien erlassen, werden Fördertöpfe nach EU-Richtlinien gefüllt und geleert, ohne über die daraus resultierenden Konsequenzen nach zu denken. Biologische Kraftstoffe, die für einen großen Teil der steigenden Weltbevölkerung das Essen unbezahlbar macht. Biologische Kraftstoffe für dessen Anbau Lebensräume von Millionen von Lebewesen - auch von uns Menschen - vernichtet werden. Biologische Kraftstoffe, für dessen Anbau der Boden vorbereitet werden muss und mehr Klima schädliche Gase freisetzt, als durch dessen Gebrauch eingespart werden kann. Natürlich werden dafür Gebiete ausgesucht, die für schnellen Wachstum und hohe Effizienz stehen, zumal durch die Regenwaldzerstörung und Holzverarbeitung gleich doppelt Profit gemacht werden kann. Welche Auswirkungen diese "ökologische" Form der Energiegewinnung auf unser globales Klima haben wird, ist den Wissenschaftlern noch unbekannt. Ökonomen sind sich jedoch schon jetzt sicher, dass die Folgekosten des Klimawandels die globale Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009 um ein Vielfaches übersteigen werden.

Dr. Willie Smits Dabei ist Klimaschutz durch Regenwaldschutz recht günstig zu haben. Zwar trägt der Schutz des intakten Regenwaldes nicht zur Senkung des Kohlendioxydes bei, sondern stabilisiert vielmehr durch seine Konstanz seiner Albedo die Luftmassen und dient als riesiger Süßwasserspeicher. Und wenn nun gleichzeitig mit Hilfe der örtlichen Bevölkerung auf Brachflächen gezielt hoch energetische Nutzpflanzen in Eigenregie angebaut werden, so dürfte jedem in irgend einer Weise geholfen sein. Im Jahr 2004 wurde ich auf das von Dr. Willie Smits gestartete Projekt "Samboja Lestari - ewiges Samboja" aufmerksam. Er gründete die BOS (Borneo Urangutan Survival Foundation), die sich mit der Aufzucht und Wiederauswilderung von Orangutanwaisen beschäftigt. Irgendwann bemerkte Smits, dass Die Regenwälder für die Auswilderung im weniger werden. Er erinnerte sich an seinen erlernten Beruf als Forstwissenschaftler und konnte aus dem Kot von wild gefangenen Orangutans 1.100 verschiedene Pflanzenarten bestimmen. Diese werden in einem von ihm bestimmten System in einem 2.000 ha großen Gebiet in Ost-Kalimentan / Borneo wieder aufgeforstet.

Seit dieser Zeit bin ich bestrebt, dieses Projekt bekannt zu machen und dafür in diversen Aktionen Geld zu sammeln. Im Jahr 2008 stieß bei meiner Reise durchs Web auf die ALT-Foundation, die unter anderem von 2 Deutschen - Helmut Huber (Fans for nature e.V.) und dem Ulmer Biologen Dr. Bernhard Lohr (Faszination Regenwald e.V.) - gegründet wurden. "ALT" steht für "Alas Lou Taka" und bedeutet in der Sprache der Dajak: der Wald - meine Heimat. Auch dieses Projekt steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Willie Smits. Bei diesem Projekt soll ein Gebiet rund um den Berg "Meratus" aufgekauft werden, bevor die Holzindustrie den Zuschlag erhält. Gleichzeitig sollen bereits gerodete Flächen mit Nutz- und Mischwald so wieder aufgeforstet werden, dass sie sowohl der dort wohnenden Bevölkerung als Einnahmequelle dienen, als auch dem Erhalt der Artenvielfalt. Geschickt geplant sind dort auch Zucker- und Ölpalmenanbau möglich, die gemäß des erneuerbaren Energiengesetze förderungsfähig wären. Dies war letztendlich auch Ausschlag gebend, mich mit den beiden Deutschen und Willie Smits in Deggendorf zu treffen und eine Reise nach Borneo zu planen, von der ich im Anschluss berichten will.