Am 22.02.2011 erfolgte die Anreise zum Flughafen München nicht wie geplant mit der deutschen Bahn, sondern mit dem Privat-Pkw des 1. Vorsitzenden, denn zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob die Zugverbindung durch die GDL bestreikt werden würde. Die Mehrkosten nach dem Reisekostengesetz werden durch den Vorsitzenden privat getragen. Die Flugreise nach Jakarta wird mit Etihat-Airways mit Zwischenlandung in Abu Dhabi (7 Stunden Aufenthalt) durchgeführt, da diese mit Abstand die günstigste war.
Nachdem zwischen Ankunft in Jakarta und einem Anschlußflug nach Balikpapan lediglich 45 Minuten Abstand einschließlich Flughafenwechsel (international/national) zur Verfügung standen, wurde, auch in Anbetracht der langen Anreise, eine Übernachtung im FM7-Resort-Hotel notwendig. Transportkosten fielen auf Grund des kostenfreien Shuttle-Service des Hotels nicht an. Der Weiterflug am nächsten Tag mit der Fluglinie "Garuda Indonesia" verlief problemlos. Noch am gleichen Abend wurden in Balikpapan letzte Besorgungen (Fieberthermometer, Waage) für die Befunderhebung der lokalen Bevölkerung in Tanjung Soke durch geführt. Im Bathera-Hotel kam es auch zum Zusammentreffen mit der restlichen Gruppe, die vorab schon Programmpunkte in Zentral-Kalimantan durchgeführt haben
Am nächsten Tag wurde die 10-köpfige Gruppe mit 3 Pickups auf den etwa 200 km langen Weg geschickt. Auf Grund des maroden Straßenzustandes traten an 2 der Fahrzeuge Schäden auf, die noch während der Anreise behoben werden mußten. Bei einem Pickup befand sich ein Nagel im Reifen und an den Bremsen trat ein Defekt auf, während beim zweiten sich eine Halterung an der Batterie löste und zu einem Kurzschluß führte. Durch die Reparaturen verlängerte sich die Anreise um mehrere Stunden.
Trotz der fortgeschrittenen Tageszeit wurde noch am späten Abend die Einweihungsfeier für die Ökolodge verkürzt durchgeführt. Nach Tradition des örtlichen Volkes der Dajak darf ein Gebäude erst genutzt werden, wenn dieses gesegnet und von den Geistern befreit wurde. Nachdem die Ökolodge bei dieser Reise zum ersten Mal genutzt wurde, war dieser Brauch noch in der Nacht notwendig.
Die Aufgabe von Roland Zeh bestand in der Anleitung einer einheimischen jungen Frau zur ersten Befunderhebung der örtlichen Bevölkerung, wie Blutdruck, Puls, Größe, Gewicht und Temperatur, sowie der Dokumentation und Archivierung der gewonnen Daten. Dies sollte nun der zweite Schritt nach den "Medical Boxes" im Aufbau des Gesundheitszentrums sein. Schon nach kurzer Zeit konnte festgestellt werden, dass einige Bewohner des Dorfes ernsthaft erkrankt sind. Eine Blutdruckentgleisung beim einem 23-jährigen übergewichtigen Mann und ein hochfieberhafter pulmonaler Infekt (fraglicher Malaria) konnten lediglich mit Tipps behandeld werden. Einem Patienten mit einer infizierten, offenen Augenbulbusverletzung konnte dagegen mit Gentamycin-Augentropfen vorerst geholfen werden, ein Transport in eine Augenklinik wurde empfohlen. Dieser konnte auf Grund von ausgereizten Transportkapazitäten nicht über uns erfolgen. Als Fazit kann gesagt werden, dass ein Bedarf zur medizinischen Versorgung gegeben ist, jedoch zu diesem Zeitpunkt auf Grund mangelnder Finanzmittel nicht möglich sind. Hier erfolgt auch der Hinweis, dass Informationen zur traditionellen Medizin durch mangelndes Interesse der jungen Generation der Bevölkerung verloren gehen werden.
Zu einer weiteren Aufgabe dieser Projektreise ins Meratusgebiet war auch die Durchführung von Wanderungen unterschiedlichster Länge und Dauer. Eine kurze Wanderung war ein Tripp in das angrenzende Schutzgebiet zu den sogennanten "Big Trees", einer Gruppe von mehreren gigantischen Riesenbäumen der Gattung "Meranti". Die zweite war eine Rundwanderung vorbei an den Anpflanzungen und durch den Primär-Regenwald des Schutzgebietes. Bei beiden Wanderungen ist eine Durchquerung des Flusses erforderlich, das den Abenteuer- und Erlebnisfaktor um einiges erhöht. Weitere Höhepunkte der Exkursion sind die jeweiligen traditionellen Feste der örtlichen Bevölkerung mit Einbindung der Gäste in deren Tänze. Während des Aufenthaltes wurden Spenden (Schulhefte, Stifte und Sportsachen) offiziell an den Lehrer und ein von der Firma MBS-Medizintechnik (Röthenbach/Pegnitz) spendierter Notfall-Rucksack an Muliani übergeben. Muliani ist eine 19-jährige Einheimische, der vom Verein "Lebensraum Regenwald e.V." über die ALT-Foundation die Ausbildung zur Krankenschwester finanziert wird, mit der Auflage, danach die noch zu errichtende Krankenstation zu übernehmen.
Die Rückfahrt aus dem Dorf Tanjung Soke und Gurunggung im Meratusgebiet nach Balikpapan verlief problemlos. Dort standen noch verschiedene Punkte auf dem Programm. So zum Beispiel der Besuch einer örtlichen Baumschule, die für die Anpflanzungen im Projektgebiet die Setzlinge ziehen wird. Die Nutzung der Baumschule wird fließend von BOS durch die ALT-Foundation übernommen. Ebenfalls wurde bei dieser Projekt-Reise ein Programmpunkt zu einer auf einer Flussinsel natürlich vorkommende Nasenaffen-Gruppe getestet. Dazu wurden die Gruppenmitglieder mit Booten zu den Affen gebracht. Hier fehlt jedoch noch die erorderliche Infrastruktur und ein Sichtschutz aus natürlichen Baumbestand. Als weitere Programmpunkte sind ein Tagesausflug in das von Willie Smits inizierte Aufforstungs-Projekt "Samboja Lestari", der Besuch einer Bären- und Katzenstation in Barangmadu, sowie das Auswilderungsgebiet von "Uceh" "Sungai Wain" und der Baumwipfel-Pfad "Cannoby-Bridge" erwähnenswert. Die Projekte wurde jeweils von verschiedenen Teilnehmern besucht.
Nach allen Programmen endete die Projektreise in Balikpapan. Während ein Großteil der Gruppe die Heimreise antrat, stand für Roland Zeh der Besuch der Masarang-Foundation und das Wildlife-Rescue-Zentrum "Tasikoki" noch auf Liste seiner Aufgaben. Spontan wurde er von 2 Biologinnen (Botanik/Virologie) begleitet, die vorab bereits eine Verlängerung der Reise geplant hatten. In der Masarang-Factory konnte der Produktionsprozess von Palmzucker und auf einer Wanderung zum Mount Masarang auch die Gewinnung des Palmzuckerfsaftes beobachtet werden. Im Office der Masarang-Foundation wurden die Erlöse aus dem Verkauf des Palmzuckers des Vereines an die Kassiererin der Foundation übergeben. Der Aufenthalt im Tasikoki-Wildlife-Rescue-Center wurde durch Mitarbeit und Beobachtung genutzt, um zu kontrollieren, ob die Vermittlung von Freiwilligenarbeit zu empfehlen ist.
Hier trennte sich auch noch der Rest der Gruppe. Für Roland Zeh war nach dem Flug von Manado via Makasar eine weitere Übernachtung in Jakarta notwendig, da ein direkter Anschlußflug nach München über Abu Dhabi nicht möglich war.
Als abschließendes Fazit dieser Projektreise ist eine weitere Förderung der ALT-Foundation, insbesondere des Projektes "Meratus darf nicht sterben" gegeben und erforderlich. Neben der Nachhaltigkeit der Projekte und der Einbindung der ausschließlich örtlichen Bevölkerung der Stiftung sehe ich eine Erhöhung der finanziellen Mittel als unabdingbar an.